Thrifty Throwback Thursday: Omas Festtagskleid

Mit ein wenig Verspätung möchte ich euch heute ein weiteres altes Kleidungsstück vorstellen, dass man so heute wohl nicht mehr tragen würde, aber genügend Potential für einen neuen Auftritt bietet.

Zur Hochzeit meiner Tante trug meine Oma 1987 ein wirklich üppiges, vom Opa selbstgenähtes Kleid. Üppig, vor allem aus dem Grund, dass der Stoff eigentlich für zwei Kleider gereicht hätte. Eine kleine, schmale Frau sollte keine unvorteilhaften Raffungen im Oberkörper und noch weitere Raffungen im Taillienbreich tragen. Welche Vision mein Opa dabei hatte, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Nagut, so war es damals wohl einfach…

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidUnd als ich das gute Stück anprobiert habe, sah das ganze auch nicht viel besser aus.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidVon dem eh schon schwierigen Muster, sieht man den eigentlich so schönen Rosendruck gar nicht.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidAlles war 1A verarbeitet, so wie man es sich von einem Schneidermeister wünscht, aber eine Form konnte ich beim besten Willen nicht erkennen.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidIch musste natürlich erst einmal ein wenig herumgrübeln, was ich genau aus dem Kleid zaubern wollte. Schnell war klar, dass es wieder ein Kleid werden sollte. Mit der Paper-App von FiftyThree (leider nur fürs iPad) habe ich meine Idee ein wenig skizziert.

Thrifty ThrowbackThursday: Omas FestkleidDann habe ich mir das Kleid geschnappt und ich sage euch eins, soviel Nerven, wie dieses Kleidungsstück, hat mir zuvor selten ein anderes geraubt. Die Nähte vom Original waren echt für die Ewigkeit gemacht! Leider sollte es beim Umändern auch nicht viel leichter werden. Daher fällt die Anleitung dazu etwas knapper aus, als sonst.

1. Auftrennen: Meine Version von dem neuen Kleid hatte so gar nichts mehr mit dem alten zu tun, deshalb musste ich zunächst sämtliche Nähte auftrennen. Fleißarbeit.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidNatürlich gab es auch einen Unterrock, der mit ebensoviel Liebe und Garn gerafft und vernäht wurde.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidStunden später hatte ich das Kleid in seine Einzelteile zerlegt. Der rote Kordstoff ist der Rest meines letzten Rock-Refashion-Projektes.

Thrifty Throwback Thursday: Omas Festkleid

2. Schnittmuster erstellen: Ja, eigentlich steht am Anfang immer das Schnittmuster… Nun ja, hätte es stehen sollen, denn dann wären mir viele Stunden Nähte auftrennen, erspart geblieben. Ich wusste zwar, wie das Kleid aussehen soll und ich habe auch mal eins unter Anleitung genäht, aber wer mich kennt, der weiß, dass ich lieber drauf losarbeite.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidAls Vorlage habe ich mir, wie immer, ein Kleidungsstück gesucht, das sehr gut passt und der Form meines zukünftigen Kleides entspricht. In diesem Fall mein Vogelmilch-Kleid.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidFreihand habe ich die groben Umrandungen nachgezeichnet und Abnäher für die Brust markiert.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidEinmal gefaltet, damit später beide Seiten auch symmetrisch sind.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidAls ich das Kleid fertig genäht hatte, bin ich übrigens auf eine Anleitung von Patty Doo gestoßen, die exakt das beschreibt, was ich vor hatte. Kleid „Ella“ findet ihr hier, inklusive Gestaltungsfreiheiten.

3. Oberteil: Das Schnittmuster habe ich auf meinen Rosenstoff übertragen und ausgeschnitten und danach die Brustabnäher festgesteppt. Das Rückteil habe ich etwas breiter gemacht und für den späteren Reißverschluss geteilt. (So detailliert kann ich euch das leider nicht erklären, da ich „nach Gefühl“ gearbeitet habe.)Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidDie Vorderseite vom Oberteil habe ich zusätzlich mit dem Unterstoff vernäht, damit man später nicht durchsehen kann.

Thrifty Throwback Thursday: Omas Festkleid4. Taillenband: Um dem tristen Fliederton des Kleides entgegenzuwirken, habe ich den kräftigen Bordeauxstoff als Taillenband eingesetzt. So kommen die roten Details im Blumenmuster besser zur Geltung.

Thrifty Throwback Thursday: Omas Festkleid5. Rockteil: Dieser Teil war nicht ganz so schwer, da ich ja schon öfter einen Rock genäht hatte. Das größte Problem bereitete mir hier der elastische Stoff. Selten musste ich soviel Nähte wieder und wieder auftrennen. Unter ein wenig Spannung konnte ich die Seitenteile dann aber mit einem einfach Steppstich ganz gut fixieren.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidDamit beim Tragen nichts hochrutscht, habe ich einen Unterrock angesetzt. Leider reichte der alte Stoff nicht dafür aus. Zum Glück hatte ich noch einen anderen Unterrock (ebenfalls aus dem Fundus meiner Oma) in petto.

Thrifty Throwback Thursday: Omas Festkleid6. Reißverschluss: Der Kleiderstoff war zwar elastisch, aber nicht so sehr, dass ich auf einen Reißverschluss verzichten konnte. Beim Einsetzen habe ich immer noch meine Probleme. Besonders beim Übergang zum Taillenband ist die Naht nicht so gut geworden.

Thrifty Throwback Thursday: Omas Festkleid7. Ärmel: Ich habe erst ein Mal Ärmel angesetzt, deshalb war ich bei diesem Schritt sehr unsicher und brauchte einige Tage, um Mut dafür zu bekommen. (Ich habe sogar extra einen Probeärmel genäht.)

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidIch musste die fertigen Ärmel mehrmals einsetzen und wieder abnehmen, weil sie in der Schulter nicht richtig saßen. Letztendlich muss ich mich leider damit zufrieden geben, dass sich der Stoff bei Bewegung im Burstbereich etwas zieht.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidDie letzten Reste des Kordstoffes habe ich als Ärmelenden verwendet. Der Stoff und die Farbe der Taille werden nochmal aufgegriffen und das Kleid wirkt somit mehr, wie aus einem Guss.

Thrifty Throwback Thursday: Omas Festkleid8. Saum und Ausschnitt: Der Ausschnitt war nicht weiter schwierig zu nähen, obwohl ich hier auch zweimal ran musste.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidDen Saum wollte ich zunächst mit Schrägband unterlegen. Nachdem ich es fest fixiert hatte, fiel der Rock aber gar nicht mehr so hübsch und ich entschied mich dann doch für einen ganz einfachen umgeschlagenen Saum. Thrifty Throwback Thursday: Omas Festkleid Am Ende habe ich Saum und Ausschnitt noch mit Zackenlitze eingefasst. Weil ich die Abschlüsse ja nicht so perfekt hingekriegt habe, kaschieren die Bänder die Nähte ein wenig und sie sehen etwas professioneller aus.

Et voilá: ich muss ehrlich sagen, so angezogen gefällt mir das Kleid ausgesprochen gut.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidDas Licht draußen war toll, aber es ist schließlich Winter, deshalb erstmal ein Bild mit warmen Parka.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidMeine neuen Lederbooties sind ein Schnäppchen aus London.

Thrifty Throwback Thursday: Omas Festkleid1. Parka – C&A, 2. Strickjacke – (Geschenk von Freundin), 3. Kleid – Vintage (von Oma), 4. Strumpfhose – noname, 5. Booties – , 6. Kette – Geschenk (DIY), 7. Tasche – Geschenk (Second Hand aus Barcelona)

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidIn der Rückansicht sieht man, dass der lilane Stoff im unteren Reißverschlussbereich leider nicht ganz so gut fällt.

Thrifty Throwback Thursday: Omas Festkleid Um den Look mit zuviel Rosa-Tönen nicht zu Girlie-Like zu machen, habe ich Dunkelblau als Akzent gewählt. Passt hervorragend zu Lila, weil es in der gleichen Farbfamilie ist. Einfache und günstige Idee für Schmuck-Faule: die Holzkugeln meiner Kette kann ich je nach Outfit immer wieder neu austauschen.

Thrifty Throwback Thursday: Omas FestkleidUnd ganz zum Schluss nochmal das Kleid im Vergleich zu vorher. Was meint ihr? War es gut, wie ich es überarbeitet habe oder hätte ich lieber was anderes draus machen sollen?

Thrifty ThrowbackThursday: Omas FestkleidNach dem Thrifty Throwback Thursday ist vor dem Thrifty Throwback Thursday. In meinem Fundus gibt es natürlich noch ein paar hübsche Kleidungsstücke. Ob ich auch die passenden Bilder im Familienalbum finde? Mal sehen, die Suche beginnt!

Den Beitrag findet ihr auch beim Creadienstag, MeMadeMittwoch und bei RUMS.ninutschkanns_signatur

25 Kommentare zu “Thrifty Throwback Thursday: Omas Festtagskleid

  1. Ein absolut gelungenes Upcycling! Das Kleid ist super! Und steht dir so auch wirklich toll!
    LG Mary
    PS: Die Schuhe würden mir allerdings auch gefallen 😉

  2. Pingback: Nina’s Inherited Refashion | Refashion Nation

  3. Ein tolles Vorher-Nachher! Und, sorry an deinen Opa, aber deine Version finde ich sehr viel schicker! Die Holzkugel-Kette ist toll! und die Kombination mit blau ist sehr schön, das ganze Outfit steht dir ausgezeichnet! 🙂
    Liebe Grüße, Bente

    • Haha, danke Bente! Ich muss gestehen, ich finde meine Version auch um einiges besser 😀 Die Holzkugelkette habe ich improvisiert. Ich hatte von meiner Mum mal eine Kette mit Keramikperle geschenkt bekommen. Nun habe ich einfach andere bunte Holzperlen (passend zum Outfit) auf dieses „feste“ Lederband mit schmaler Metallschließe gefädelt. Und fertig! 🙂

    • Danke, ich hoffe auch! Auch wenn er an meinen Nähten sicherlich was auszusetzen hätte (Meister-Perfektionist – du verstehst 😉 ), denke ich auch, dass ihm meine Idee dahinter sehr gefallen hätte 🙂

  4. Ich bin total begeistert, von dem Kleid, dem Stoff und vor allem von der Idee. Und jetzt weiß ich endlich, das das „Upcycling“ heißt !!!! Mit diesem Thema beschäftige ich mich nämlich auch gerade sehr. Noch ein ganz kleiner Verbesserungsvorschlag von mir, das Kleid hätte ein wenig länger sein können, dann wäre der wunderschöne Stoff noch mehr zur Geltung gekommen. Hast Du eigentlich den Reststoff noch verarbeitet? Ganz herzliche Grüße von Agathe

    • Hallo Agathe, es freut mich sehr, dass dir mein Beitrag gefällt. 🙂 Vlt findest du noch ein bisschen mehr Inspiration. Für den Reststoff habe ich bisher noch keine weitere Verwendung gefunden. Ich hoffe, das mir noch die richtige Idee kommt. 😉 LG

  5. DieMühe hat sich auf jeden Fall gelohnt, das Ergebnis steht Dir hervorragend. Schön auch, dass du dich überhaupt an eine Metaporphose des Kleides begeben hast, sodass es noch ein bisschen in der Familie bleiben kann. LG Doro

    • Liebe Doro, Danke für dein Kommentar. Ich versuche, jedem Kleidungsstück eine 2. Chance zu geben, auch wenn Material, Schnitt oder Muster nicht immer unbedingt leicht zu handhaben sind. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert 🙂 LG

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